Wirtshaus-Kanne 3 Liter, M&R handbemalt
499,00 €
Beschreibung
Produktinformationen "Wirtshaus-Kanne 3 Liter, M&R handbemalt"
Wirthauskanne 3 Liter, M & R, Modelleur: G. Thinwiebel
Diese monumentale, 43,5 cm hohe Weinkanne mit einem Fassungsvermögen von 3 Litern ist ein herausragendes Beispiel qualitätvoller Westerwälder Steinzeugkunst aus der traditionsreichen Keramikstadt Höhr-Grenzhausen. Gefertigt wurde sie in der renommierten Marzi + Remy, einer Manufaktur, die bis zu ihrer Schließung im Jahr 1996 für kunstvoll modelliertes und handbemaltes Steinzeug höchster Güte stand.
Das Modell stammt von Gustav Thinwiebel, der bereits in der Gründerzeit des Unternehmens um 1879 tätig war. Thinwiebel war bekannt für seine detailreichen, erzählerischen Reliefkompositionen, die historische und volkstümliche Szenen mit großer plastischer Lebendigkeit umsetzten.
Bildmotive und Ikonographie
Der bauchige Korpus zeigt umlaufende, fein modellierte Reliefszenen aus dem bäuerlich-bürgerlichen Leben. Dargestellt sind gesellige Wirtshausszenen mit Musikanten, Trinkern und fröhlichen Gesellschaften in historischer Tracht. Die Figuren sind plastisch ausgearbeitet, mit lebendiger Mimik und charaktervollen Gesten. Typisch für diese Darstellungen ist die Verbindung von Humor, Lebensfreude und moralischer Anspielung – ein beliebtes Motivrepertoire des 19. Jahrhunderts.
Die farbliche Fassung erfolgt in klassischem Kobaltblau mit warmen Braun- und Ockertönen sowie fein akzentuierten, handgemalten Details in Rot- und Grüntönen. Jede Figur und jedes Ornament wurde sorgfältig von Hand staffiert, wodurch jedes Stück eine individuelle Note erhält.
Die Spruchkartusche unter dem Henkel
Unter dem geschwungenen Henkel befindet sich eine ornamental gerahmte Kartusche mit dem Sinnspruch:
„Von der Wiege bis zur Bahre ist der Trunk das Einzig Wahre.“
Dieser augenzwinkernde Trinkspruch gehört zur traditionellen Bild- und Spruchkultur deutscher Wirtshauskeramik. Er verbindet humorvolle Lebensphilosophie mit geselliger Trinkkultur und unterstreicht die Funktion der Kanne als repräsentatives Gefäß für Wein oder Bier im festlichen Kreis.
Ornamentik und plastische Details
Besonders eindrucksvoll ist der plastisch ausgearbeitete Bartmann am Hals unterhalb des Ausgusses. Diese bärtige Maskaron-Darstellung geht auf die berühmten Bartmannkrüge des 16. und 17. Jahrhunderts zurück und zitiert bewusst die große Tradition rheinischer Steinzeugproduktion. Das markante Gesicht mit kräftigem Schnurr- und Vollbart wirkt archaisch und kraftvoll – ein klassisches Motiv, das Schutzsymbolik und handwerkliches Selbstbewusstsein verkörpert.
Der Halsbereich ist reich mit umlaufenden Reliefornamenten, floralen Friesen und Rollwerk verziert. Die typische kobaltblaue Schlickermalerei hebt die Reliefstruktur wirkungsvoll hervor. Auch der geschwungene Henkel ist ornamental gegliedert und endet in einer fein ausgearbeiteten Volute.
Der schwere, reich ornamentierte Zinndeckel wurde von Hand gegossen und montiert von einem Zinngießer aus Hillscheid. Die reliefierte Daumenrast sowie die ornamental gestaltete Deckelplatte unterstreichen die hochwertige handwerkliche Ausführung. Der Deckel ist nicht nur funktional, sondern integraler Bestandteil der ästhetischen Gesamtwirkung.
Technische Daten
- Herkunft: Höhr-Grenzhausen, Deutschland
- Manufaktur: Marzi + Remy
- Modell: Gustav Thinwiebel (1853–1933)
- Fertigung: vollständig handgearbeitet und handbemalt
- Material: salzglasiertes Steinzeug
- Deckel: massiver, handgegossener Zinndeckel
- Fassungsvermögen: ca. 3 Liter
- Höhe: ca. 43,5 cm
Gesamtwürdigung
Diese Weinkanne vereint kunsthistorische Referenz, handwerkliche Exzellenz und repräsentative Präsenz. Sie ist nicht nur Gebrauchsgefäß, sondern ein erzählendes Objekt – ein Stück deutscher Keramiktradition, das Geselligkeit, Geschichte und meisterhafte Modellierkunst in sich trägt.
Ideal für Sammler qualitätvoller Westerwälder Keramik, Liebhaber historistischer Steinzeugkunst oder als außergewöhnliches Ausstellungsstück mit musealem Charakter